Weihnachten und der Daumenexpress
Leaving taupo
Taupo hat uns jetzt vier Monate begleitet und es wurde langsam aber sicher Zeit sich zu verabschieden. Gesagt – getan. Nein, so einfach war das leider nicht……
Wenn man eine Wohnung hat und eine gewisse Zeit an einem Ort lebt, sammelt man allerhand Zeug an. Da wir aber kein Auto mehr zum Reisen haben, mussten wir uns wohl oder übel von vielem trennen.
Anfang Dezember haben wir ein Paket an Björns Eltern geschickt und dachten, dass uns neun Kilo etwas erleichtern würden. Tatsächlich war die Freude über so einen großen Gewichtsverlust sehr hoch, das dauerte aber nur kurze Zeit an. Dann haben wir feststellen müssen, dass unsere Rucksäcke zwar gross, aber nicht so gross sind und dass wir ganz so viel auch gar nicht tragen wollen und können.
Also haben wir sage und schreibe vier Taschen voll mit Zeug für das Rote Kreuz fertig gemacht und das waren bestimmt nochmal ein paar Kilo. Natürlich haben wir versucht alles an Essensvorräten vorher zu vertilgen, was auch fast gut geklappt hat.
Tja, Als die Rucksäcke dann endlich gepackt waren, waren sie immer noch zu schwer, aber sie gingen zu. Sehr gut.
Weihnachten
Ich denke ich habe oft genug erwähnt, dass mir Weihnachten nicht wegen der Geschenke am Herzen liegt, sondern wegen des Essens und dem Zusammensein mit meiner Familie. Beides war natürlich nicht verfügbar.
Meine Familie viel zu weit weg und die Weihnachtsgans von Papa dementsprechend auch weit weg.
Was tun? Selbst kochen!
Nachdem wir uns entschieden hatten In Taupo zu bleiben über Weihnachten war das auch prinzipiell kein Problem, der Backofen war schließlich vorhanden.
Aber……
Eine Gans in Neuseeland zu finden ist alles andere als leicht. Zunächst weil Gänse im Winter gegessen werden und hier gerade Sommer ist und dann, weil Gans in Neuseeland eigentlich nicht verzehrt wird. Schöne Scheiße, denn ich hatte unseren Vermietern gesagt, ich koche ihnen eine Gans. Traditionell, nach Vaters Rezept. Zu dumm!
Also musste es eine Ente werden. Aber auch da gab es ein Problem.
Ich habe noch nie eine Weihnachtsgans gemacht. Zugesehen schon oft, aber selbst, ohne Papas Anwesenheit?! Nein!
Papa ist aber so nett und schickt mir das Rezept. Kurz zum Lachen…..
„Hi Rahsan,
hier die beiden Rezepte.
Rotkohl mit Apfel, Lorbeerblatt, Nelken und Wachholderbeeren.
Gans mit Apfel, Beifuß, salz.
Sauce mit Honig, Sherry, Sojasauce,
Wichtig: genug Salz.“
Das war´s. Sehr gut, jetzt weiß ich Bescheid.
Zum Glück hat er auch noch zwei weitere Rezepte geschickt, denn damit wäre ich nicht weit gekommen. Es fehlten die Zeitangaben und die Einstellung des Ofens.
Aber wie dem auch sei, ich kaufe eine Ente und mache einen Probelauf.
Weit gefehlt. Die Ente ist nicht wirklich schmackhaft, aber essbar.
Sie ist verbrannt. Eine Ente ist eben eine Ente, ist eine Ente, keine Gans.
An Heilig Abend gab es den zweiten Versuch. Der ist auch geglückt, natürlich erst nach telefonischer Rücksprache mit Papa…..
sowohl Björn als auch ich waren sehr glücklich mit dem gutem Essen, wenigstens etwas weihnachtliches. Danach gab es dann eine kleine Bescherung und die Anrufe bei den Familien.
Soviel zu Weihnachten. Es ist einfach nicht das gleiche ohne Familie! Nicht erstrebenswert. Nein, nicht wirklich.
Der erste Weihnachtstag wird hier größer gefeiert und unsere Vermieter/Chefs haben uns zu ihrer Familienfeier eingeladen. Ich mache also meine dritte Ente und wir bekommen dafür Truthahn und Schinken serviert, sowie Regenbogenforelle. Sehr gut. Aber das wirklich überragende war der Ausblick vom Anwesen der Eltern.
Auf dem Berg gelegen mit Ausblick auf den See und den Mount Tauhara. Wunderschön! Mit dem Ausblick und dem Wetter unschlagbar in dieser Gegend. Leider hatten wir keine Kamera dabei und konnten somit diesen Ausblick nicht für euch festhalten.
Aber weiter im Text.
Weihnachten war zumindest für uns um und so haben wir uns endlich auf den Weg gemacht.
Nachdem wir die Schlüssel bei Greg und Annette abgegeben haben, sind wir mit Sack und Pack losgelaufen in Richtung des Highway. Nach einem nicht unerheblichen Fußmarsch laufen wir an einem Trio vorbei, dass auch auf den Daumenexpress mit dem Ziel Wellington wartet.
Wir wünschen einander viel Glück und laufen weiter.
Nachdem wir etwa 15 Minuten warteten fuhren die drei in einem Bentley vorbei. Unfassbar.
Etwa 20 Minuten später nimmt uns ein netter Kiwi „nur ein Stück weiter um den See herum“ mit.
In Turangi, sein Haus bereits ca 20 Km hinter sich gelassen, lässt er uns raus.
Fünf Minuten später laufen „die Drei“ an uns vorbei. Wir beglückwünschen sie zu ihrer Fahrt im Bentley und machen Witze, dass wir uns in Wellington wiedersehen. Es wird ein kleines Rennen zwischen uns nach Wellington geben…..To be continued!
Ein paar Minuten später nimmt uns eine Dame wieder ein Stück mit. Sie will zwar nach Wellington, hat es aber nicht eilig und ist auch schon ein paar Stunden unterwegs. Nach ca 2 Stunden Fahrt, lässt sie uns aussteigen und nimmt sich ein Hotelzimmer. Wir essen und machen uns wieder auf den Weg.
Vor uns ein Typ, den wir auch schon in Turangi gesehen haben, auch er wartet auf den Daumenexpress. Er kriegt den ersten und wir stehen noch eine Stunde bis wir aufgegabelt werden.
Der Wagen hällt und ein junger Mann steigt aus. Wo wir denn hinwollten, fragt er, während wir das Gepäck einladen. Wellington.
Ein paar Minuten später erzählt er uns, dass er heute morgen in Taupo gestartet ist, nach Wellington gefahren ist, uns auf dem Rückweg dort stehen sehen hat und sich gedacht hat, „ach komm, gucken wir mal, wo die hinwollen.“ Er sei in der Milchindustrie und arbeite 31 Tage durch, habe dann drei Tage frei und weil Weihnachten ist, drei Tage extra. Er fährt durch die Gegend, weil es ihm Spass macht und er es kann. Wir sind glücklich, er bringt uns bis nach Wellington, direkt zu einem Hostel am Busbahnhof, von wo aus wir direkt am nächsten morgen zur Fähre können.
Ein gelungener Daumenexpress. Von Taupo bis Wellington in fünf Stunden. Günstiger geht’s nicht.
Nachdem Check In im Hostel ging es zur wunderschönen CUBASTREET in Wellington. Und wen treffen wir auf dem Weg dorthin?! Na klar, „die Drei“.
Und natürlich sind sie auf der gleichen Fähre gebucht. Wir lachen und machen uns darüber lustig, dass wir uns dann bestimmt auf der Fähre sehen.
Wir treffen uns am nächsten Tag in der Innenstadt, der Fähre und sind im selben Hostel, im selben Zimmer untergekommen. Das nenne ich mal Coincidence.
Die DREI sind jetzt nur noch Zwei und wir verleben einen netten Abend zu viert.
Von Picton aus wollen wir per Daumenexpress über Christchurch nach Queenstown. Wer noch?! Richtig. Die beiden anderen auch.
Am nächsten Tag verabschieden wir uns natürlich mit Vorsatz dass wir uns in Christchurch wieder zufällig über den Weg laufen, tauschen aber Nummern aus um in Kontakt bleiben zu können.
Wieder fahren sie nach geringer Wartezeit an uns vorbei. Winkend.
Wir warten noch eine halbe Stunde, als ein Truck anhält und uns bis Christchurch mitnehmen kann. Super! Ich überlege noch, ob ich den anderen Beiden eine SMS schriebe, entscheide mich dagegen und will ihnen erst schreiben, wenn wir angekommen sind. Wir sehen sie auch vorher. Am Strassenrand. Winken und hupen, so wie sie vorher und liegen somit zunächst vorne.
15 KM vor Christchurch lässt uns der Trucker raus. An einer Bushaltestelle, damit wir auch bis in die Innenstadt kommen. Der Bus kommt aber nicht und wir fahren wieder per Daumenexpress in die Stadt. Auf Grund der Beben wollen wir eigentlich einen Nachtbus nach Queenstown nehmen, um nicht dort bleiben zu müssen. Der Busbahnhof ist aber auf Grund der Einstürzenden Häuser verlegtworden und liegt nun so, dass er mit dem Auto nicht ohne weiteres zu finden ist. Die Leute, die uns aufgegabelt haben, sind so freundlich und telefonieren wie wild, um herauszufinden, wo er ist und wie man dahin kommt. Vergeblich. Nach einer kostenlosen und sehr privaten Stadtrundfahrt von ca einer Stunde wird es langsam unangenehm ihre Gastfreundlichkeit weiter zu beanspruchen, wir lassen uns raus werfen und begeben uns auf die Suche nach einem Schlafplatz, denn den Bus können wir vergessen. Nach einigem herum fragen und einem Zusammenbruch meiner Nerven beziehen wir schließlich vier Stunden später unser Zimmer. Sicher fühlt man sich nicht wirklich, wenn man an die ganzen Bauruinen in der Innenstadt. Die Außenbezirke sehen allerdings ganz normal und unbeschädigt aus. Ein bisschen Komisch also.
Ca 10 Minuten nachdem wir eingecheckt haben, schickt uns Mac eine SMS, dass sie bei ihrem Ride übernachten können und er angeboten hat uns abzuholen und uns am nächsten morgen in die Stadt zu bringen, damit wir von dort aus weiter trampen können. Leider haben wir da schon bezahlt. Scheiße. Uns wird geraten unsere wichtigsten Sachen immer griffbereit zu haben: PÄSSE, TICKETS, GELD und LICHT.
Um 22:40 Uhr bebt die Erde für ca 30 Sekunden. Mein Herz bleibt stehen, aber entgegen meiner Vorahnung gerate ich nicht in Panik. Wir sitzen ruhig in unserem Zimmer und wundern uns. Es hört sich an, als würde ein 40 Tonner vorbeifahren, nur irgendwie fühlt man es auch. Es ist komisch. Aber Panik ist nirgends zu spüren, niemand rennt, niemand schreit, niemand weint. Alles ist ruhig, als wäre es ganz normal. Meine Angst ist nicht mehr so groß. Vor allem, weil wir in einem Holzhaus sind und es erdgeschössig ist, raus kommen wir also in jedem Fall und auf uns kann auch nicht wirklich was schweres fallen. Häuser werden hier, sagen wir, sehr kostengünstig gebaut.
Trotzdem wollen wir die Stadt so schnell wie möglich verlassen und entschließen uns am morgen, um auch auf jeden Fall nach Queenstown zu kommen, auf jeden Fall mit dem Bus zu fahren und nicht per Daumenexpress. Gerade als wir überlegen, was wir den anderen schreiben, bekommen wir eine SMS. Von Mac. Sie haben sich entschlossen damit sie auf jeden Fall nach Queenstown kommen mit dem Bus zu fahren. Der Lacher ist garantiert. Wir buchen. Und sitzen natürlich im selben Bus. Es ist schon ein bisschen strange…..
Im Moment sitzen wir am Flughafen von Christchurch, warten auf die Abfahrt des Busses um 22 Uhr und freuen uns darauf, dass wir morgen früh von neuen Freunden in Queenstown in Empfang genommen werden. Zum Glück können wir mit in deren Campervan schlafen, denn Betten kann man in Queenstown schon eine Weile nicht mehr buchen…..
In diesem Sinne…..
Guten Rutsch euch allen und ein hoffentlich mit vielen tollen Wundern gefülltes neues Jahr!!!!
Alpine Crossing
Nachdem wir schon eine ganze Weile in Taupo leben und den Gedanken ans Tongariro Crossing immer wieder verworfen haben, war es an der Zeit einen Termin für das Alpine Crossing festzulegen.
Als wir dann auch noch einen unserer Abende mit zwei Belgiern verbracht haben, die den Walk gerade gemacht hatten und diesen sehr empfahlen, stand die Entscheidung, es nicht länger hinauszuzögern. Der nächste freie Tag würde genutzt.
Wer konnte denn Ahnen, dass uns das Wetter so im Stich lassen würde…..
Aber der Reihenfolge nach.
Montags haben wir beide frei und deshalb ist das der einzige Tag in der Woche, der sich anbietet für einen größeren Ausflug. Deshalb sind wir Sonntag ins I-Site um uns zu informieren, ob der Walk trotz Wetterumschwungs von gut nach schlecht gemacht würde. Buchungen werden nämlich auf Grund des wechselhaften Wetters erst am Tag vorher angenommen. Man vertröstete uns auf den Nachmittag, da man das am morgen noch nicht sagen könne.
Das gab uns noch etwas Zeit den Walk vorzubereiten. Wanderhosen wurden gekauft, denn in Jeans macht man solch einen Track nicht unbedingt. Den passenden Rucksack hatten wir uns schon der Woche zuvor gekauft und so mussten wir nur noch den nötigen Proviant beschaffen.
Der Proviant war eine viel diskutierte Sache, denn ich mag es nicht hungrig zu sein und Essen ist ja bekanntlich sehr wichtig, vor allem für mich!
Also wurde eine, na gut, mehrere Listen angefertigt und dem entsprechend eingekauft.
Wasser
Schokolade (die musste ich tatsächlich nicht kaufen, ich habe sie immer im Vorrat)
Bananen
Äpfel (die wir zuhause vergessen haben)
Müsliriegel (machen sich nicht nur in der Hosentasche gut)
Sandwiches (nicht gekauft sondern selbstgemacht. Meines mit Avo, Camembert und Hühnerbrust)
Eier (hart gekocht)
Gurke und Tomate
Nachdem wir um 16 Uhr wieder im I-Site waren und uns gesagt wurde, dass das Crossing stattfinden kann, musste wir uns nur noch entscheiden, denn regnen würde es auf jeden Fall.
Um euch mit unserem Dilemma vertraut zu machen:
Wir sind nur noch bis Weihnachten hier, haben bis dahin keinen gemeinsamen freien Tag mehr und uns rennt die Zeit ein bisschen davon, zumal wir den Track unbedingt machen wollen und uns keiner die Garantie geben kann, dass das Wetter an einem anderen Tag besser ist.
Kurz um, Jetzt oder nie.
Der Bus holte uns um 05:40 Uhr ab und brachte uns dann bis zum Anfangspunkt um uns dann am Endpunkt, 20 km später wieder abzuholen.
Ich brauche nicht zu sagen, dass entgegen jedes guten Vorsatzes die Bettkarte erst um kurz nach 12 Uhr gestempelt wurde. Geschlafen haben wir vielleicht drei ein halb Stunden als der Wecker dann klingelte.
Brote schmieren, etwas essen, Fertig machen, anziehen. Die Reihenfolge sah wohl anders aus, aber um die Uhrzeit macht das alles sowieso keinen Sinn.
Im Bus konnten wir nicht schlafen. PP. Persönliches Pech.
Statt aufmunternder Worte macht die Fahrerin es sich zur Aufgabe alle zu desillusionieren und Uns die Pistole auf die Brust zu setzen.
Sätze wie: „Bist du sicher, dass du diesen Track machen willst? Das Wetter ist scheiße, der Regen ist sowieso da, es ist nur die Frage, wie und wann ihr nass werdet, denn nass werdet ihr auf jeden Fall. Ihr werdet nichts sehen können, denn der Berg hüllt sich in Nebel. Seid ihr dafür überhaupt ausgerüstet? Ich lasse keinen ohne festes Schuhwerk und Regenjacken auf den Berg.“ Und so weiter und so fort.
Bedrohlich. Einer hat sich tatsächlich, allerdings im Vorhinein, dagegen entschieden, der Rest der Truppe hat die Umstände in Kauf genommen.
Am Berg angekommen.
Es ist 7:30 Uhr als wir loslaufen.
Damit ich den Rucksack auch mal getragen habe, nehme ich ihn bis zum ersten Anstieg. Ich brauche ja schließlich nicht zu erwähnen, dass ich nicht gerade sportlich bin und der Anstieg mir Probleme machen könnte.
Gesagt, getan. Die erste Etappe verläuft mühelos, aber doch mit der ein oder anderen Kletteraktion und ich stelle fest, dass ich mich bewege wie ein Elefant. Ich rudere zu dem mit den Armen um die Balance zu halten. Ich bin noch nicht in meinem Laufrhythmus. Was mich am allermeisten ärgert.
Ich bin klein und schlank und fühle mich wie ein Elefant von Hannibal, der drei Jahre gebraucht hat um die Alpen zu überqueren.
Die erste Steigung kommt und wird passender Weise Devils Staircase genannt. So fühlte sich die Etappe auch an. Treppen über Treppen, Steigung über Steigung. Ich wurde überholt und sauer, weil ich mich nicht nur wie ein Elefant fühlte, nein, ich war auch so unbeweglich und aus der Puste. Dreimal hatte ich das Gefühl, ich könne nicht mehr und Björn, dem man keine Anstrengung ansah machte das nicht gerade leichter für mich. Gutes Zureden brachte mich auf die Palme und was brachte die ungeliebte Wut mit sich?! Richtig, EHRGEIZ.
Das letzte Stück war ich so frustriert, dass ich meinem Frühstück fast entgegen gerannt bin.
Ab da ging es dann. Ich wollte diesen Track unbedingt machen und aufgeben und umdrehen kam für mich gar nicht in Frage. Also wurde gelaufen.
Nach einer halben Banane und etwas zu Trinken, ging es weiter.
Ein gerades Stück. Ich fand ein gutes Tempo und kam so langsam ins Laufen. Kein Elefant mehr. Zum Glück.
Allerdings lies der nächste Anstieg nicht all zulange auf sich warten, aber diesmal nahm ich ihn mit etwas mehr Gelassenheit wahr und obwohl ich auch hier an meine Grenzen stieß, machte es fast ein bisschen Spaß.
Allerdings machte der Berg auch keine Anstalten endlich mal ein Ende zu finden, es ging immer höher und noch höher. Der Wind nahm zu und Der Regen wurde dadurch nicht unbedingt erträglicher. Aber Umdrehen wäre jetzt eh nicht mehr drin gewesen.
Die Vulkanlandschaft erstreckte sich so weit das Auge reicht und eines war sehr auffällig. Es war kein Leben in ihr. In der Dürre der Wüste gab es hier und da vereinzelte Pflanzen, aber diese wurden nicht groß und so wartete man vergeblich auf eine Oase des Grünen und bewunderte den dürren Boden und den Schnee an den Hängen der Gipfel.
Es war ein wundersames Schauspiel der Natur, denn hier und da roch es sogar komisch, was auf Grund der Schwefelvorkommnisse wohl kein Wunder ist.
Nachdem wir endlich den Gipfel erklommen hatten, war dieser fast langweilig unspektakulär. Auf Grund des Nebels, bzw. der Wolkendecke in der wir uns befanden, konnte man nichts sehen. Unsere Sicht war auf 50 Meter beschränkt und wir dem entsprechend unbeeindruckt. Alles was man in der Tiefe erkennen konnte war eine dicke weiße Wolkendecke. Man stand mitten in der riesen Wolke und war ganz schön benebelt. Von Aussicht also keine Spur.
Nach einer kurzen Wasserpause und nachdem wir ein paar Nüsse zu uns genommen hatten ging es also an den langsamen und mühevollen Abstieg. Da der Boden zunehmend aus Geröll bestand und vor uns eine recht große Gruppe Wanderer unterwegs war, musste man ganz schön aufpassen, dass man nicht mit dem Fuß abrutschte oder ins Leere trat. Manchmal rollte man wie auf einer kleinen Lawine ein paar Meter und fing sich dann wieder. Ich kam mir vor wie beim Snowboarden, immer schön Kurvenfahren und das Gewicht immer schön zum Berg verlagern.
Kurz um, es hat Spaß gemacht.
Irgendwann sagte dann jemand hinter mir „seht euch das an, was für eine schöne Lagune“. Wir mussten alle lachen, denn von dem Bergsee, den wir alle von Bildern kannten, war in dem Nebel kaum etwas zu erkennen und ich wäre wohl daran vorbeigelaufen, hätte man mich nicht darauf aufmerksam gemacht.
Wir haben versucht ein paar Bilder zu machen, aber wie man erkennen kann, waren wir nicht besonders erfolgreich. Die Wolken, die ich schon mehrfach erwähnt habe, haben den See in Nebel gehüllt.
Von da an, ging es eigentlich nur noch bergab. Ein kurzes Stück, in dem der Wind uns den Regen um die Ohren peitschte und Hände, Gesicht und Beine unter der nassen Hose vor Kälte kaum noch zu spüren waren. Den Kopf unter Mütze und Kapuze weitestgehend geschützt, war das Gesicht vor Wind und Wetter nicht sicher. Sogar mein Schal war durchnässt.
Nachdem auch diese Etappe mit gesteigertem Tempo bezwungen wurde, stellten wir bei Kilometer 16 fest, dass wir das Tote Land hinter uns gelassen hatten, als uns ein Vogel mit seinem Zwitschern beglückte und seine Flugkünste unter Beweis stellte.
Erst dort stellten wir fest, wie tot diese geräuschlose Wüste tatsächlich gewesen ist. Die Ruhe war uns erst richtig bewusst geworden, nachdem sie nicht mehr da war. Auf dem Berg selbst war außer dem Rauschen des Windes nichts zu hören und Man fühlte sich buchstäblich wie auf Wolken, in denen man sich ja auch befand. Nachdem man dann aber den ersten Vogel zwitschern Hörte und das Rauschen eines kleinen Bachlaufes wahrnahm, kam das Leben mit jedem Kilometer, den man zurücklegte wieder. Allerdings wurde man auch kaputter und müder mit diesem Prozess, denn man musste schließlich noch immer laufen.
Das Gefühl für Raum und Zeit hatte man allerdings schon lange verloren und so konnten wir nicht abschätzen, wie lange es wohl noch dauern würde, bis wir ankamen, oder auch nur, wie lange wir wohl schon unterwegs waren.
Als wir unten ankamen, waren unsere Hosen schon fast wieder trocken und uns war nicht mehr Kalt. Die Knie schmerzten unter der ständigen Belastung und so langsam wurde ich immer ruhiger und wollte nur noch ankommen.
Als wir dann ankamen, wurde die Tafel Schokolade angebrochen und der Bus stand schon bereit.
Denkste!
Kein Fahrer. Also saßen wir mit den anderen Wartenden und unterhielten uns flüchtig mit diesem oder jenem. Als wir auf die Uhr gucken, waren wir schon 10 Minuten dort gewesen.
Kurz nach 13 Uhr sagte die Uhrzeit. Und wir waren mächtig stolz auf uns, war der ganze Track doch für 7-8 Stunden ausgelegt.
Das Drama folgte dann in Form der Wartezeit, die wir hinterher verlebten.
Die Busfahrerin kam pünktlich um 15 Uhr und sammelte uns ein. Bis dahin waren wir ausgekühlt und ich zumindest ziemlich bedient. Ich wollte nach hause, unter die heiße Dusche und dann mit einem marshmellow – Kakao ins warme Bettchen.
Weitere eineinhalb Stunden später stand ich endlich unter der heißen Dusche und Björn kochte Kakao für uns.
Nachdem uns das Wetter so einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und wir Mt. Ngauruhoe, der in den Herr der Ringe Filmen den Mt. Doom verkörperte, nicht ganz sehen durften, haben wir uns zum Abschluss des Tages den ersten der drei Herr der Ringe Filme angesehen. Ein guter Tag!
Hier noch schnell die Beschreibung des Tracks vom Informationsblatt:
„THE TONGARIRO CROSSING
7-8 hours, 20 kilometers
One way. Grade: Challanging.
Recommended hiking direction: Mangatepopo to Ketetahi.
Often described as the best one-day hike in New Zealand, the Tongariro Alpine Crossing provides an opportunity to experience some of the most scenic and active volcanic areas of the park.
The track winds up the Mangatepopo Valley to the saddle between Tongariro and Ngauruhoe. It climbs to Red Crater (1886m), then drops down to the vivid Emerald Lakes. After passing Blue Lake, the track descends around the northern slope of Tongariro, then descends further in a zig-zag to the Katetahi Hut. From the hut, the track continues down the mountain through tussock plains, then into the native forest to the end of the track. “
Frohe Weihnachten!!!!
Hier zu Lande wird es gerade wärmer und man hat das Gefühl, der Sommer könnte so langsam wirklich kommen. Obwohl der Winter auch nicht so richtig kalt war, nimmt man den Unterschied sehr deutlich wahr.
Jetzt aber genug vom Wetter das sollte eh nur der Über- bzw. Herleitung dienen. Zum Weihnachtsfest.
Weihnachten steht kurz bevor und das ist euch wahrscheinlich bewusster als mir, doch auch hier weihnachtet es entgegen meinem Gefühl sehr. Weihnachten unter Palmen, dafür geben einige Leute viel Geld aus, was ich auch durchaus nachvollziehen kann, aber wenn man so ein Familienmensch ist, wie ich es einer bin, dann ist Weihnachten eben nicht nur Geschenke und Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt…..An dieser Stelle sei gesagt, beides gibt es dieses Jahr für mich nicht. Geschenke nicht und der Weihnachtsmarkt scheint hier eher ein Fremdwort zu sein, das noch nicht einmal im Wörterbuch steht. …..sondern – und hier die Weiterführung des Satzes, den ich vorher mit „….“ kurzfristig beendet habe – viel mehr Zusammensein mit der Familie und eine gebratene Gans zu verspeisen. Im Idealfall an allen Weihnachtsfeiertagen und an den Adventswochenenden, sowie an Silvester.
Weil man ja bekanntlich nicht alles haben kann, was man will, beschränke ich mich dieses Jahr auf Rotkohl mit Kartoffeln und eine gebratene Ente, denn die Gans wäre für zwei Personen doch eindeutig zu viel, zumal wir spätestens am zweiten Weihnachtsfeiertag los wollen und spätestens dann keine Verstauungsmöglichkeiten mehr haben um die Reste des Festmahles, das es hoffentlich wird, mitzunehmen.
Ich habe noch nie ein Weihnachtstier gemacht. Das wird also eine Premiere in vielerlei Hinsicht.
Bislang habe ich auch erst einmal Weihnachten ohne meine Familie gefeiert und da zumindest mit einer anderen Familie. Aber noch nie so weit weg mit so wenig Familie. Komische Sache.
Aber etwas anderes ist fernab dieser Dinge komisch. Die Kombination aus Sommer und Weihnachten. Darauf wollte ich ja schon am Anfang hinaus.
Es ist Mitte November gewesen, als ich runter in des Restaurant ging und eigentlich guter Dinge war, das Wetter war gut, ich gutgelaunt und der Ansturm sollte ruhig kommen. Kaum im Laden angelangt, sehe ich Kisten, wie sie sich an der Theke stapeln. Der Inhalt ist unschwer zu erkennen. Es glitzert und funkelt und es ist grün und es riecht nach Plastik. Ich komme näher und traue meinen Augen noch immer nicht und spreche aus, was meinem Kopf sofort entspringt.
HOLLY SHIT! Das kann nicht euer Ernst sein!?
Die Antwort schockiert mich zugegebener Maßen noch ein bisschen mehr.
DOCH, UND DU KANNST GLEICH ANFANGEN ZU DEKORIEREN.
Ich versuche mich zu währen, gebe vor gar nicht zu wissen, wie so etwas geht und auch total der Weihnachtsmuffel zu sein. Mit großem Erfolg bin ich jetzt der offizielle Grinch der Steak and Ale Bar. Aber auch jegliche Argumentation scheint nicht zu greifen. Ich werde mit den Weihnachtsartikeln überhäuft und zugemüllt. Aber damit nicht genug. Der Plastikweihnachtsbaum zieht ein. Mit all seinen Lichterketten und Plastikgehänge. Ich bin bedient. Es ist Mitte November und es wird Sommer. Der Kitsch kann kaum noch übertroffen werden, denke zumindest ich und lasse es über mich ergehen. Ich helfe die Deco-Gegenstände anzubringen und zu schmücken und sitze am Ende auf zwei Girlanden und soll damit was zaubern. Meine Phantasie spielen lassen.
Jetzt fangen die sogar an sich über mich lustig zu machen. …..
Ich bitte um Weihnachtskugeln. Man geht welche kaufen, denn so etwas haben sie nicht. Ich bin nur froh, dass immerhin noch kein Lametta aufgetaucht ist.Die Weihnachtskugeln kommen und ich mache ein kleines Arrangement für die Theke und weil es ihnen so gut gefällt noch ein zweites. Damit bin ich meinen Pflichten nachgekommen und habe etwas zur weihnachtlichen Atmosphäre beigetragen. Aber selbst das hat mich Überwindung gekostet. Denn obwohl ich Weihnachten normaler Weise nicht so schlimm finde und gelegentlich sogar Spass am Dekorieren habe, fällt es mir schwer mich dieses Jahr in weihnachtliche Stimmung zu bringen.
Die ersten Kunden an diesem Tage der Dekoration waren Deutsche und Ihnen stand die Verwunderung ins Gesicht geschrieben. Ich fühlte mich sehr bestätigt, dass nicht ich komisch bin, sondern das Bild was sich mir bot. Weihnachten im Sommer und zudem noch drei Wochen zu früh.
Kommentar der Chefin dazu. „Sag Ihnen, ich bin dieses Jahr schon spät dran, normaler Weise fängt das hier noch früher an.“
In diesem Sinne…..
Fröhliche Weihnacht überall…….
29.11.
Damit Ihr auch mal wieder ein Bild von mir bekommt und weil Björn doch ein recht häufiges und immer wiederkehrendes Modell fotographiert, hier ein Bild davon, wie ich am frühen Morgen eine Karte malträtiere.
Im Zuge dessen ein unkonventioneller Weg einem Geburtstagskind zu seinen Geburtstagsgrüßen zu verhelfen….
Lieber Jörg, alles Gute zum Geburtstag und viel Glück für die Zukunft!!
Wie Du dem Bild vielleicht entnehmen kannst, habe ich an Dich gedacht und die persönlicheren Worte finden sich irgendwann – wenn die Post das zulässt – bei Dir ein….
Abschied von Lucy
Die TÜV Abnahme erfolgt hier in Neuseeland alle halbe Jahre und verlief, wie auch nicht anders zu erwarten, nicht gerade zu unseren Gunsten. Kurz um, die arme Lucy braucht Reparaturen.
Leider nicht nur Kleine. Die Liste ist lang. Sie beginnt mit Kleinigkeiten. Sie endet mit Rost. An ZU vielen Stellen.
Nachdem wir drei Meinungen eingeholt haben, die alle das gleiche besagten, war klar, das wir uns die Rostschäden nicht leisten können. 1000 NZ$ Schätzung. Genaueres kann man erst sagen, wenn man angefangen hat. Wir reden also von einer unüberschaubaren Größe, die noch immer Variabel ist und wo nach oben kaum Grenzen sind.
Verkaufen wir die Karre.
Wie der Zufall es so will, klage ich unserem Koch mein Leid mit Lucy und er guckt sich den Wagen auch gleich an. Er würde ihn wohl nehmen.
Die Preisverhandlung erstreckt sich über mehrere Tage und kostet uns alle Nerven. Schließlich wollen wir Lucy nicht, er aber auch kein Geld verschenken.
Wir beginnen damit uns innerlich von Dingen zu trennen, machen Listen, was wir weiterhin brauchen und was wegkommt. Wohin auch immer. Es ist leichter als man dachte Dinge auszusortieren und sie in Tüten und Kisten zu verpacken um sie dann weiterzugeben an das Rote Kreuz oder ähnliche Institutionen. Ein riesiger Stapel voll Sachen, die doch irgendwie ihren Weg nach Hause findne müssen….
Als wir den Wagen eine Woche später zu ihm bringen sind wir froh ihn da zu lassen und doch ist es komisch. Lucy gehörte doch zu dieser Reise dazu.
Adieu mon amie.
Die Reise ohne Lucy weiterzuführen bringt aber auch andere Aspekte mit sich. Wir müssen jetzt doch mit Hostelkosten rechnen und zwar ohne Spritpreise, aber mit Bustickets. Und so ist unsere komplette Kalkulation hinfällig und wir müssen doch noch bis Weihnachten hier in Taupo bleiben, um zu arbeiten und ein bisschen mehr Puffer anhäufen.
Trotz, das noch ein Reiseabschnitt vor uns liegt, füllt es sich so an, als wären wir bald schon wieder in Deutschland und die Zeit vergeht wie im Flug. Sie rennt einem davon. Noch knappe zwei einhalb Monate und wir sind zurück in Deutschland. Komisches Gefühl!
Soweit der Stand der Dinge.
Auf bald, meine lieben!









